Individuelle Förderung - Wie machen wir das?

Grundlage unserer Praxis individueller Förderung ist die Beratung, vor allem durch Klassenlehrer und Beratungslehrer. Ziel ist es, jedem Schüler die Schullaufbahn zu ermöglichen, die seinen Möglichkeiten und seiner Begabung entspricht. Ausführliche Gespräche bei der Aufnahme neuer Schüler – sowohl mit den Eltern wie mit den abgebenden Schulen – zeigen erste Stärken und mögliche Schwächen, die für die weitere Schullaufbahnberatung von Bedeutung sein können. Diese Eindrücke werden durch die Ergebnisse in standardisierten Tests ergänzt, die uns Aufschluss über die Kenntnisse in den Grundrechenarten und über die Fähigkeit zum sprachlichen Verständnis altersgemäßer Texte liefern.

Aufgrund dieser Daten, die durch Beobachtungen der Fachlehrer ergänzt werden, entstehen die ersten Fördergruppen. Parallel zu den Arbeitsstunden der Klasse werden Förderkurse sowohl in Mathematik (1 Stunde pro Woche beim eigenen Mathematiklehrer) als auch in Deutsch (2 Wochenstunden für eine Gruppe von etwa 10 Schülern aus 3 Klassen) eingerichtet. Die Sprachfördergruppen setzen sich in den kommenden Jahrgängen fort, wobei die Zuweisungen auf jeder Zeugniskonferenz neu beraten werden.

Im Bereich der Lese- und Rechtschreibförderung arbeitet die Gesamtschule Kamen seit einigen Jahren nach dem Konzept der Rechtschreibwerkstatt, das von dem Warendorfer Schulpsychologen Norbert Sommer-Stumpenhorst entwickelt wurde. In jeweils 2 Wochenstunden werden die Klassen der Jahrgänge 5 und 6 in zwei Gruppen geteilt, die in zwei besonders ausgestatteten Räumen unterrichtet werden. Die Schüler können dort sehr differenziert an ihren jeweiligen Übungsschwerpunkten arbeiten, die sich auf der Grundlage regelmäßiger Diagnosediktate recht genau bestimmen lassen.

Im 5. Jahrgang existiert außerdem in jeder Klasse eine kleine Sportfördergruppe, in der nach einer gewissen Beobachtungsphase Kinder mit erkennbaren Auffälligkeiten im Bewegungsablauf ein spezielles Training erhalten. Der Sportförderunterricht findet immer parallel zur dritten Sportstunde der Klasse statt. In den AG-Bereich verlagert ist seit Jahren die Schwimmförderung; diesem Kurs verdanken wir, dass am Ende des 5. Schuljahrs in der Regel nahezu alle unsere Schülerinnen und Schüler zumindest über das „Seepferdchen“- Abzeichen verfügen.

Auch in den höheren Jahrgängen gibt es eine Reihe von Förderangeboten, um fachgebundene Schwierigkeiten zu beheben. Neben der Fortsetzung der Sprachförderkurse ist hier insbesondere das Angebot im Rahmen der Ergänzungsstunden zu nennen, die im 8. Jahrgang an die Stelle des ehemaligen Wahlpflichtbereichs II getreten sind. Es gilt hier aber auch, dass mit zunehmendem Alter der Schüler für eine wirksame Förderung die Selbststeuerung von Lernprozessen an Bedeutung gewinnt. Förderplanung und Förderunterricht werden nur bei bewusster Mitwirkung des betroffenen Schülers dauerhaft Wirkung zeigen; nicht zuletzt erfordert ein Aufarbeiten von Defiziten mit wachsender Menge des Unterrichtsstoffs ein solches Maß an Differenzierung, dass Schüler auf ein gewisses Maß an Selbstständigkeit im Umgang mit Aufgaben und Arbeitsplanung angewiesen sind, um effektiv Schwächen abbauen zu können.

 

Fordern und fördern